In unserem Team entwickeln wir die Web-App Allpaka, die Lehrerinnen und Lehrern bei der Planung von gewerblich-technischem Unterricht am Berufskolleg unterstützen wird. Die App richtet sich insbesondere Seiteneinsteigerinnen und Seiteneinsteiger in den Lehrberuf und junge Kolleginnen und Kollegen, bietet aber auch Orientierung für erfahrene Lehrkräfte an. 

In dieser Blogreihe geben wir Einblicke in den inhaltlichen Entwicklungsprozess: Was wir über den Planungsprozess und die Unterrichtsqualität erarbeiten, wird bereits in dieser Blogreihe veröffentlicht!

In unserem vorherigen Artikel haben wir Ihnen schon die verschiedenen Sozialformen vorgestellt. Unterrichtsmethoden gehen jedoch weit über die Gruppenaufteilung hinaus, da sie die sichtbare Grundstruktur einer jeden Lehr- und Lernsituation sind. Während Sozialformen uns also sagen, mit wer mit wem zusammenarbeitet, geben Unterrichtsmethoden vor, auf welche Art und Weise die Aufgaben bearbeitet werden sollen. 

Die Bedeutung von Unterrichtsmethoden in der Lehrpraxis

In unserem Streben nach einer hohen Unterrichtsqualität ist es entscheidend, über Lehrmethoden hinauszublicken. Unterrichtsmethoden sind nur ein Mittel zur Strukturierung der Unterrichtsaktivität. Um eine aktive und nachhaltige Auseinandersetzung mit dem Lerngegenstand zu gewährleisten, müssen Unterrichtsmethoden gezielt auf die Tiefenstrukturen des Unterrichts abgestimmt werden. Denn nur so können wir sicherstellen, dass nicht nur oberflächliches Wissen vermittelt wird, sondern echtes Verständnis seitens der Schüler*innen entsteht.

Was ist Unterrichtsqualität?

Unterrichtsqualität ist ein facettenreiches Konzept, welches sich insbesondere durch das Angebots-Nutzungs-Modell nach Helmke (2021) ausdrückt. Dieses Modell verdeutlicht die komplexen Zusammenhänge zwischen dem Lehr-Lern-Angebot, das von Lehrkräften bereitgestellt wird, und dem Lernergebnis, das die Lernenden daraus ziehen.

Der Lernerfolg Ihrer Schüler hängt also nicht nur von dem von Ihnen bereitgestellten Angebot ab, sondern auch vom Engagement der Schüler selbst und dem Kontext, in dem das Lernen stattfindet. Daher ist es essenziell, bei der Planung des Unterrichts vorrangig darauf zu achten, den Schülern zahlreiche Möglichkeiten für eine aktive und kognitive Interaktion mit den Inhalten zu bieten (Kunter & Trautwein, 2018; Seidel & Schindler, 2018).

Was sind die Sicht- und Tiefenstrukturen des Unterrichts?

Sichtstrukturen sind äußerlich beobachtbare Merkmale des Unterrichts, wie beispielsweise die gewählte Sozialform. Im Gegensatz dazu beeinflussen Tiefenstrukturen wie beispielsweise die kognitive Aktivierung, die Lerngestaltung oder die Klassenführung maßgeblich den Lernprozess und haben einen stärkeren Zusammenhang mit dem Lernertrag (Hess & Lipowsky, 2016; Kunter & Trautwein, 2018). Ein qualitativer Unterricht zeichnet sich durch ein Lehrangebot aus, das nicht nur die sichtbaren Strukturen optimiert, sondern vor allem die Tiefenstruktur berücksichtigt. Ein solcher Unterricht schafft ein Lehrangebot mit einem hohen Potenzial für einen nachhaltigen Lernertrag der Lernenden. Sie erwerben nicht nur deklaratives Wissen, sondern entwickeln auch kritisches Denken, Problemlösungsfähigkeiten und ein tiefes Verständnis für das Gelernte.

Im Streben nach einer hohen Unterrichtsqualität ist es also entscheidend, über Lehrmethoden hinauszublicken, denn Unterrichtsmethoden sind nur ein Mittel zur Strukturierung der Unterrichtsaktivität. Um eine wirklich aktive und nachhaltige Auseinandersetzung mit dem Lerngegenstand zu gewährleisten, müssen Unterrichtsmethoden gezielt auf die Tiefenstrukturen des Unterrichts abgestimmt werden (Scheller-Hornik, 2021). Denn nur so können wir sicherstellen, dass nicht nur oberflächliches Wissen vermittelt wird, sondern echtes Verständnis entsteht.

Was muss ich bei der Wahl von Unterrichtsmethoden berücksichtigen?

Zu den wichtigen Kriterien, die Lehrkräfte für ihre Methodenwahl berücksichtigen sollten zählen: die Lerngruppe, das Lernziel, der Lerninhalt, die Unterrichtsphase, die Lehrkraft, das Material und die Medien sowie die Lernumgebung und die allgemeinen strukturellen Bedingungen (Scheller-Hornik, 2021).

Doch inwiefern spielen diese Kriterien eine zentrale Rolle, um die Methodenwahl an die spezifischen Bedingungen und Anforderungen Ihres Unterrichts anzupassen?

  • Die Lerngruppe: Unterschiedliche Lerngruppen erfordern unterschiedliche Ansätze. Jüngere oder leistungsschwächere Lernende könnten von direkter Instruktion profitieren (Helmke, 2021), während selbstregulierte Lernende von offeneren Lernformen profitieren könnten (Lipowsky, 2015; Wiechmann & Wildhirt, 2016). Leitfragen: Welche Vorkenntnisse, Kompetenzen und Fähigkeiten bringt meine Lerngruppe mit? Welche Methoden sind bereits erprobt mit dieser Lerngruppe?
  • Lerninhalt: Ein wichtiges Kriterium ist natürlich auch der Lerninhalt, nicht alle Themen lassen sich mit allen Methoden sinnvoll umsetzen. Der Aspekt der inhaltlichen Strukturierung ist hier besonders intensiv zu durchdenken. So kann zum Beispiel direkte Instruktion dann besonders geeignet sein, wenn viel Stoff in kurzer Zeit vermittelt werden soll (Seifried, 2009; Wellenreuther, 2018). Manchmal drängen sich bestimmte Methoden zur Umsetzung bestimmter Methoden fast auf. Denken Sie einmal an die Leitfähigkeit verschiedener Materielien. Denken sie nicht auch direkt an eine Umsetzung als Experiment, vielleicht sogar als Schülerexperiment?
     Leitfragen: Welche Kerninhalte und Konzepte müssen vermittelt werden und welche Methode ist dafür am besten geeignet? Wie viele Informationen muss ich grundlegend neu vermitteln? Handelt es sich eher um deklaratives oder an Handlungen oder Prozessen orientiertes Wissen? Reicht meine Unterrichtszeit, um diese Inhalte mit dieser Methode zu vermitteln?
  • Die Lernziele: Lernziele sollten grundsätzlich klar formuliert vorliegen und transparent gemacht werden (Hattie, 2018). Die Methode sollte die Erreichung dieser Ziele unterstützen und nicht behindern. 
    Leitfragen: Welche Lernziele sollen am Ende der Einheit erreicht sein? Welche Kompetenzen und Fähigkeiten sind damit verbunden? Welche Methoden unterstützen deren Erreichung am besten?
  • Die verschiedenen Phasen des Unterrichts: Unterschiedliche Unterrichtsphasen erfordern unterschiedliche Arbeitsweisen, Lernergebnisse und -erwartungen, die sie auch mit der Methodenwahl unterstützen müssen. So beginnen Sie vielleicht Ihre Unterrichtseinheit eher mit einem Brainstorming als mit einer Textanalyse, einfach weil Sie die Lernenden erst einmal anregen möchten, sich für das Thema zu öffnen. Leitfragen: Befinden sich die Schüler:innen am Anfang, in der Mitte oder am Ende einer Unterrichtseinheit? Welche didaktischen Feinziele verbinde ich mit den einzelnen Unterrichtsphasen ( z.B.: Üben von Winkelberechnungen, Definieren von Fachbegriffen, Abfragen von Vorwissen)? Welche Methoden eignen sich für diese didaktischen Ziele?
  • Die Lehrkraft selbst: Die Methode sollte zu Ihrer Persönlichkeit und Ihren Fähigkeiten oder Vorlieben passen. Es macht wenig Sinn, wenn Sie zum Beispiel Ihren eigen Workload außer Acht lassen und für sich mit der Vorbereitung und Einführung neuer Unterrichtstechniken zusätzlich belasten. 
    Leitfragen: Wie vertraut bin ich mit der Methode und kann ich sie authentisch und überzeugend vermitteln?
  • Die verfügbaren Materialien und Medien: Nicht jede Methode eignet sich für jedes Medium oder Material. Andersherum wird natürlich auch die Wahl einer bestimmten Methode dazu führen, dass Sie Material und Medien darauf angepasst auswählen, erstellen oder überarbeiten müssen. 
    Leitfragen: Welche Materialien und Medien stehen mir zur Verfügung und wie können sie am besten in den Unterricht integriert werden? Wie stelle ich sicher, dass die Materialien und Medien den Lernprozess effektiv unterstützen und nicht ablenken?
  • Die Lernumgebung und strukturelle Bedingungen: Der Unterrichtsraum vor Ort und die strukturellen Gegebenheiten an Ihrer Schule können die Wirksamkeit einer Methode beeinflussen, wenn zum Beispiel für digitale und kooperative Methoden digitale Endgeräte für die Lernenden benötigt werden. 
    Leitfragen: Wie beeinflussen der Raum, die Ausstattung und andere strukturelle Gegebenheiten meine Methodenwahl? Wie kann ich meine Methode an die gegebenen Bedingungen anpassen, um ein optimales Lernumfeld zu schaffen?

Wenn Sie diese Kriterien betrachten, wird noch einmal deutlich, das die Methodenwahl nicht der erste Schritt bei der Unterrichtsplanung sein sollte, sondern auf anderen Teilschritten aufbauen muss, um eine von den oben genannten Kriterien geleitete und effektive Methodenauswahl zu gewährleisten.

Dabei gilt es auch zu beachten, dass keine „methodische Monokultur“ entsteht. Stattdessen sollte die Methodenauswahl variieren, um den unterschiedlichen Bedürfnissen und Lernstilen der Schüler*innen gerecht zu werden (Wiechmann & Wildhirt, 2016). Dennoch sollte man darauf achten, nicht ständig neue Methoden einzuführen, um Überforderung zu vermeiden. Ein ausgewogenes Methodenrepertoire*fördert die umfassende Handlungskompetenz der Schüler*innen und unterstützt ihre methodische und strategische Vielseitigkeit im Lernprozess (KMK, 2021).

Beispiele für innovative Unterrichtsmethoden

Im Folgenden möchten wir Ihnen noch einige Unterrichtsmethoden vorstellen, die die Denkfähigkeiten der Schüler*innen anregen sowie kritisches und lösungsorientiertes Denken fördern sollen:

  • Problem-basiertes Lernen (PBL): Die Schüler*innen arbeiten in Gruppen an realen Problemen, um kritisches Denken und Problemlösefähigkeiten zu entwickeln. PBL ist nicht nur eine Methode, sondern eine Grundanforderung des Lehrens und Lernens in der beruflichen Bildung. Durch einen möglichst realen Arbeitsweltbezug soll nicht nur das jeweilige Fachwissen vertieft, sondern auch die kritischen Denk- und Problemlösefähigkeiten geschärft werden. Hierzu bedarf es jedoch einer Strukturierung der Lerninhalte und geeignete Materialien sowie Aufgabenstellungen, sodass das eigenständige Lernen ermöglicht werden kann.
  • Flipped Classroom: Die Flipped-Classroom-Methode stellt den herkömmlichen Unterricht auf den Kopf. Schüler*innen studieren den Lehrstoff zu Hause und nutzen die Unterrichtszeit für interaktive Diskussionen und kollaborative Aufgaben. Diese Methode fordert zwar ein selbstständiges Arbeiten im hohen Maße, ermöglicht es den Schüler*innen dadurch aber auch, den Unterricht nach ihren individuellen Bedürfnissen zu gestalten. Die Lehrer*innen können sich dementsprechend darauf konzentrieren, individuelle Unterstützung zu bieten und das Verständnis zu vertiefen.
  • Inquiry-Based Learning: Beim Inquiry-Based Learning werden Schüler*innen ermutigt, Fragen zu stellen, selbstständig zu recherchieren und ihre eigenen Erkenntnisse zu entwickeln. Dieser Ansatz fördert nicht nur die Neugier, sondern auch ein tieferes Verständnis für das behandelte Thema. Schüler*innen werden zu Entdecker*innen und Gestalter*innen ihres Wissens, was nicht nur den Lernprozess vertieft, sondern auch ihr Selbstvertrauen stärkt.

Unterrichtsmethoden im digitalen Zeitalter

Um die oben genannten Methoden umzusetzen und die Lehr-Lern-Prozesse zusätzlich zu bereichern, gibt es weiterhin unzählige digitale Unterstützungsmöglichkeiten, von denen wir kurz ein paar vorstellen möchten:

  • Interaktive Lernplattformen: Moderne Lernmanagementsysteme bieten nicht nur Raum für Lehrmaterialien, sondern auch für interaktive Übungen, automatisiertes Feedback und die Möglichkeit, den Fortschritt der Schüler*innen zu verfolgen. Dadurch wird das Lernen individueller und effektiver.
  • Virtuelle Klassenzimmer: Durch Videokonferenz-Tools können Lehrerinnen und Schülerinnen trotz räumlicher Distanz in Echtzeit kommunizieren. Diskussionen, Gruppenarbeiten und sogar individuelle Sprechstunden können virtuell stattfinden, was den Austausch und die Zusammenarbeit fördert.
  • Gamifiziertes Lernen: Spielelemente in Bildungsumgebungen einzuführen, motiviert die Schüler*innen und fördert gleichzeitig ihre kognitiven Fähigkeiten. Gamifiziertes Lernen kann durch Quiz-Apps, Lernspiele und Simulationen realisiert werden und macht den Unterricht interaktiv und unterhaltsam.
  • Online-Kollaborationstools: Durch Plattformen für kollaboratives Arbeiten können Schüler*innen gemeinsam an Projekten arbeiten, Dokumente teilen und sich gegenseitig unterstützen. Dies fördert nicht nur ihre Zusammenarbeit, sondern auch ihre digitalen Kompetenzen.
  • Adaptive Lernsoftware: Programme, die sich dem individuellen Lernstand der Schüler*innen anpassen, ermöglichen personalisiertes Lernen. Sie identifizieren Stärken und Schwächen und bieten maßgeschneiderte Übungen und Materialien an, um den Lernerfolg zu maximieren.

Zusammenfassend wird deutlich,dass innovative Unterrichtsmethoden der Schlüssel sein können, um Schüler*innen zu motivieren, sich aktiv in Ihren Unterricht einzubringen und Lernaufgaben sorgfältig sowie zielorientiert zu bearbeiten. Durch die richtige Strukturierung des Lernprozesses kann sichergestellt werden, dass Wissen nicht nur oberflächlich vermittelt wird, sondern wirklich verstanden und angewendet wird. Wieso diesbezüglich auch die Sicherungsphase im Unterricht äußerst relevant ist, erfahren Sie in unserem nächsten Blogbeitrag!

Die Zukunft des Lernens: Methodenmentor

Zuletzt möchten wir Ihnen noch begeistert mitteilen, dass wir bereits an einer umfassenden Methodendatenbank namens Methodenmentor arbeiten, die Teil unserer Weiterentwicklung für die Allpaka-App ist. Methodenmentor ist nicht nur eine Sammlung von Unterrichtsmethoden; es ist ein Werkzeug, das Lehrer*innen dabei unterstützen soll, die Methoden gezielt auf die Tiefenstrukturen des Unterrichts abzustimmen. Indem es Lehrer*innen ermöglicht, Methoden entsprechend dem individuellen Lernstil der Schüler*innen, dem Lehrplan und den spezifischen Lernzielen anzupassen, erhöht Methodenmentor das Potenzial für einen höheren Lernertrag und tiefgreifendes Verständnis.